Gadje-Rassismus
Gadje-Rassismus ist als Synonym von Antiziganismus im deutschsprachigen Raum verbreitet und betont, dass Rassismus gegen Rom*nja und Sinti*zze von Gadje (Bezeichnung für Nicht-Rom*nja auf Romanes) ausgeht. In Deutschland leben die Angehörigen der Sinti*zze und Rom*nja seit mehr als 600 Jahren. Sie stellen keine homogene Volksgruppe dar. Vielmehr wird mit Sinti*zze der westeuropäische oder auch deutsche Teil der Rom*nja bezeichnet. Der Rassismus gegen Romnja und Sintizze wird häufig als Antiziganismus oder Antiromaismus bezeichnet. Unter den Betroffenen gibt es jedoch unterschiedliche Auffassungen darüber, welcher Begriff angemessen ist. Antiziganismus ist zwar am weitesten verbreitet, wird aber von einigen abgelehnt, weil er eine rassistische Fremdbezeichnung fortschreibt. Zugleich wird kritisiert, dass der Begriff Antiromaismus Sinti*zze nicht ausdrücklich nennt. Andere verwenden die Bezeichnung Gadjé-Rassismus. „Gadjé“ stammt aus dem Romanes und bezeichnet unter anderem Nicht-Roma; der Begriff soll deutlich machen, von wem der Rassismus ausgeht.
In Europa besteht eine lange Geschichte des Misstrauens gegenüber Menschen ohne festen Wohnsitz. Zugleich hält sich das stereotype Bild, Rom*nja und Sint*ezza seien grundsätzlich nicht sesshaft. Die Verbindung dieser Vorstellungen hat über Jahrhunderte zur Ausgrenzung beigetragen und wirkt bis heute fort. Beide Annahmen sind jedoch falsch: Häufige Wohnortwechsel sagen nichts darüber aus, ob jemand Rom*nja oder Sint*ezza ist, und ebenso wenig über eine angebliche Kriminalität. Diese Vorurteile sind nicht nur verletzend, sondern haben konkrete Folgen. Sie führen zu Benachteiligungen, etwa bei der Suche nach Arbeit oder Wohnraum oder durch schlechtere Bewertungen in der Schule. In der öffentlichen Darstellung erscheinen Romnja und Sintizze zudem selten in ihren vielfältigen beruflichen Rollen – etwa als Autor*innen, Ärzt*innen oder Beamt*innen –, sondern werden häufig auf stereotype Bilder wie „arm“ oder „kriminell“ reduziert.
Auch in Deutschland gehören Gewalt und alltägliche Beschimpfungen zum Alltag vieler Sinti*zze und Rom*nja. Diese Erfahrungen führen bei vielen Menschen zu einem Rückzug aus der Gesellschaft. Die lange Geschichte der Benachteiligung hat bewirkt, dass viele Sinti*zze und Rom*nja sich in schwierigen wirtschaftlichen Situationen befinden und oft Probleme beim Zugang zu Bildung, Arbeit oder Wohnraum haben. Hier zeigt sich ein deutlicher Zusammenhang mit Diskriminierung aufgrund sozialer Herkunft und Rassismus. (vgl. Glossar – Glossar | Neue Deutsche Medienmacher (neuemedienmacher.de).
Folgende Materialien können einen besseren Überblick zum Thema “Gadje-Rassismus” schaffen: